Gewalt gegen Frauen & Täter aus Familien- und Bekanntenkreis

25. November: Int. Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen

Allein im Jahr 2021 wurden in Österreich 26 Frauen ermordet und 44 Frauen teils lebensgefährlich verletzt. 2020 wurden 31 Frauen getötet und 2018 sogar 41 Frauen. Die meisten der Täter waren Partner, Bekannte oder Familienmitglieder der Opfer. Jede fünfte Frau ist ab ihrem 15. Lebensjahr körperlicher oder sexueller Gewalt ausgesetzt, jede dritte Frau sexueller Belästigung und jede siebente Frau ist von Stalking betroffen. "All dies passiert oft hinter verschlossenen Türen, weshalb die Dunkelziffer in diesem Bereich sehr hoch ist", erläutert Burgenlands Landeshauptmann-Stellvertreterin Astrid Eisenkopf.

Der Internationale Tages gegen Gewalt an Frauen und die internationalen Kamapgne "16 Tage gegen Gewalt" macht bis 10. Dezember (Tag der Menschenrechte) auf die Bedrohung von Frauen durch männliche Gewalt aufmerksam.

Eisenkopf und die steirische Landesrätin Doris Kampus betonten beim Besuch in der Männerberatungsstelle Oberwart auch die Wichtigkeit der Männerberatung.

In Wien wurde mit dem Hissen der Fahne der Menschenrechtsorganisation "Terre des Femmes" und der White-Ribbon-Fahne am Wiener Rathaus ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen gesetzt. 

Mehr über

  • Gewalt gegen Frauen & die Männerberatungsstelle in Oberwart - hier
  • 16 Tage gegen Gewalt an Frauen in Wien 25.11. bis 11.12.2021 - hier
  • die Internationalen Tage gegen Gewalt 2018 - hier
  • den Internationalen Tag gegen Gewalt im Jahr 2019 - hier
  • aktuelle Termine: Internationaler Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen - hier

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Besuch in der Männerberatungsstelle Oberwart: Christian Scambor, Leiter der Gewaltarbeit, Burgenlands Landeshauptmann-Stellvertreterin Astrid Eisenkopf und die steirische Landesrätin Doris Kampus.

16 Tage gegen Gewalt an Frauen in Wien: Vizebürgermeisterin und Frauenstadträtin Kathrin Gaál (2. von rechts), Gemeinderätin Dolores Bakos (3. von rechts) und 24-Stunden Frauennotrufleiterin Heidemarie Kargl (2. von links) gaben gemeinsam mit Bezirksinspektorin Sandra und Kontrollinspektorin Barbara vom Stadtpolizeikommando Josefstadt den Startschuss für die Stadt-Wien-Kampagne „Halt! Zu mir!“ im Arkadenhof des Wiener Rathauses.

Fotos: Bgld. Landesmedienservice, PID/Martin Votava, Land Steiermark/Peter Drechsler, SCHNAPPEN.AT/Prinz

 

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"Viele Frauen leben in Beziehungen, die von Gewalt geprägt sind"

EmpfaengnisverhuetungFuerWildschweineFotoPrinzSCHNAPPENat"In den letzten Monaten wurde uns die Spitze dieses schrecklichen Eisbergs in dramatischer Art und Weise vor Augen geführt: Wir steuern einem traurigen Rekord entgegen, wurden doch alleine in diesem Jahr 28 Femizide verübt. Dies zeigt uns, dass Gewalt gegen Frauen in Österreich leider immer noch an der Tagesordnung steht", erklärte Astrid Eisenkopf am 17.11.2021 beim Besuch in der Männerberatungsstelle in Oberwart.

Morde verhindern

"Die Morde wären zu verhindern gewesen. Morde an Frauen passieren selten von einem Tag auf den anderen – meist gibt es eine lange Vorgeschichte von Angriffen, Bedrohungen und Attacken und auch die Täter sind meist amtsbekannt und weisen eine polizeiliche Vorgeschichte auf", erklärt die im Frauienbereich tätige Alexandra Hentschel.

Frauen, Kinder & Jugendliche

Kinder- und Jugendpsychologin Julia Pauschenwein dazu: "Häusliche Gewalt findet nie isoliert, sondern immer innerhalb des Familienlebens statt. Viele Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, sind auch Mütter. Als solches sind Kinder und Jugendliche immer mitbetroffen, selbst wenn sie der väterlichen / männlichen Gewalt nicht direkt ausgesetzt sind. Gewalt gegen Frauen hat immer Auswirkungen auf deren Kinder. Auch in Frauenhäusern sind etwa die Hälfte der Bewohner*innen Kinder und Jugendliche, die mit ihren Müttern Schutz und Sicherheit suchen."

Die Männerberatungsstelle in Oberwart ist eine wichtige Anlaufstelle für Südburgenländer und Steirer, wenn es um opferschutzorientierte Täterarbeit und Gewaltprävention für Männer geht.

Fürchten um ihr Leben

Eisenkopf bei ihrem Oberwart-Besuch: "Viel zu viel Frauen leben in Beziehungen, die von Gewalt geprägt sind und müssen um ihr Leben fürchten. Wir haben als einziges aller österreichischen Bundesländer in jedem Bezirk eine Frauenberatungsstelle."

Gewalt gegen Frauen

Soziallandesrätin Doris Kampus aus der Steiermark: "Gewalt ist keine Privatsache. Gewalt gegen Frauen geht uns alle an."

DorisKampusSoziallandesraetinFotoLandSteiermarkPeterDrechsler"Es ist eine gesellschaftliche Aufgabe, die ganz oben auf der politischen Tagesordnung stehen muss. Wir können diese entsetzliche Statistik des Grauens mit 26 Tötungsdelikten nicht einfach zur Kenntnis nehmen, wir müssen mit ganzer Kraft gegen Gewalt an Frauen ankämpfen", führt Kampus weiter aus.

Männerberatung in Oberwart

Neben dem flächendeckenden Angebot für Frauen im Burgenland sieht es Eisenkopf aber genauso wichtig, auch Beratungen und Unterstützungsmaßnahmen für Männer anzubieten. So fördert das Land nicht nur die Frauenberatungsstellen, sondern auch die Männerberatung im burgenländischen Oberwart.

Gewaltprävention

Eisenkopf:"In der vergangenen Stunde durften LRin Kampus und ich uns bereits einen guten Eindruck von der Arbeit der Männerberatungsstelle in Oberwart verschaffen, die sich als Fachstelle für Gewaltarbeit ganz intensiv mit opferschutzorientierter Täterarbeit und Gewaltpräventionsarbeit für Männer beschäftigt", erklärte Eisenkopf.

Männerproblem

"Gewalt von Männern an ihren Partnerinnen oder Ex-Partnerinnen ist ein Männerproblem und steht mit patriarchalen Strukturen und destruktiven Vorstellungen von Männlichkeit in Zusammenhang. Unser Ziel ist, Gewalt zu verhindern, bevor sie entsteht. Wenn Männer oder Burschen bereits gewalttätig geworden sind, ist es unser Ziel, das Gewaltverhalten zu beenden", beschreibt Christian Scambor von der Männerberatungsstelle in Oberwart die Arbeit der Einrichtung.

Gewalt ist keine Privatsache

Gewalt ist niemals Privatsache, auch in Beziehungen nicht. Um sie zu beenden, ist eine gute Kooperation und Vernetzung von Täterarbeit, Opferschutzeinrichtungen, Polizei, Justiz, Kinder- und Jugendhilfe sowie vielen weiteren Einrichtungen notwendig.

Von der Suchbehandlung bis zum Anti-Gewalt-Training

Bei Opferschutzarbeit und Täterarbeit geht es nicht um 'entweder – oder', sondern um 'sowohl als auch'. Denn: Täterarbeit kann einen Beitrag zum Opferschutz leisten, indem das Gewaltverhalten von Männern nachhaltig abgebaut wird. Dazu ist eine Palette von Maßnahmen notwendig: von niederschwelligen Beratungsangeboten über unmittelbare Interventionen nach einem Betretungsverbot bis zu Anti-Gewalt-Trainings, Psychotherapie, Suchtbehandlung und vielem mehr.

Burgenland & Steiermark

2021MaennerberatungsstelleOberwartFotoScamborEisenkopfKampusBgldLandesmedienserviceScambor, der als klinischer- und Gesundheits-Psychologe auch seit 1996 Mitbegründer in der Männerberatung Graz (Steiermark) tätig ist: "Unser Bestreben ist es, die Arbeit mit gewalttätigen Männern in Kooperation mit anderen Einrichtungen durchzuführen. Die Unterstützung der Landesregierungen im Burgenland und der Steiermark ermöglicht es uns, in diesen Feldern unseren Beitrag zu leisten."

Männlichkeitsbilder

In der Männerberatungsstelle wird Täterarbeit, deeskalierende Männerberatung, gewaltpräventive Arbeit mit Buben und Burschen sowie Vermittlung von Männlichkeitsbildern, die nicht mehr an Härte, Dominanz und patriarchalen Vorstellungen orientiert sind, angeboten.

Bevor Gewalt entsteht

Astrid Eisenkopf: "Mit dieser Strategie wollen wir versuchen, an Punkten anzusetzen, bevor Gewalt entsteht und somit dazu beitragen, dass alle Menschen im Burgenland – allen voran alle Frauen und Kinder – ein gewaltfreies Leben führen können."

Rote Bank, Fahne & Himbeerkracherl

RoteBankInEisenstadtGewaltGegenFrauenFotoLandesmedienserviceBurgenlandAm 25.11.2021 wurde gemeinsam mit dem Frauenhaus Burgenland im Rahmen der „16 Tage gegen Gewalt“ die erste "Rote Bank" Österreichs  vor dem Landhaus aufgestellt.

Diese Bank soll einerseits Aufmerksamkeit erregen und an die Opfer von Gewalt an Frauen erinnern, gleichzeitig aber auch mit der Notrufnummer des Frauenhauses Burgenland ausgestattet sein

Sensibilisieren

Klinische Gesundheitsplsychologin Isabel Bernhardt: "Die ‚Rote Bank‘ soll PassantInnen für das Thema der Häuslichen Gewalt sensibilisieren. Sie soll ein Mahnmal dafür sein, dass nach wie vor viel zu viele Frauen dem Femizid zum Opfer fallen, viel zu viele Frauen Jahr für Jahr durch die Hand ihres Ehemannes, Partners oder Exmannes zu Tode gebracht werden."

Blut & Gewalt

Sozialarbeiterin Iga Zakrzewska: "Die Idee für die ‚Rote Bank‘ wurde erstmals 2016 in Italien von einer Gruppe von Kunststudierenden umgesetzt: ‚La Panchina Rossa‘. Seither sind nicht nur in Italien, sondern auch in Deutschland und den USA vielerorts rote Bänke zu sehen, die das Stadtbild prägen. Die rote Farbe der Bank symbolisiert das Blut, das bei Gewalttaten an Frauen vergossen wird." 

Aufmerksam machen

Traditionell weht in Eisenstadt auch die Fahne "16 Tage gegen Gewalt" am Landhaus. Weitergeführt wird auch die Aktion "Himbeerkracherl gegen Gewalt", wo auf Flaschenetiketten in Getränkeautomaten in Schulen auf das Thema aufmerksam gemacht wird. 2022 soll die Aktion auch auf den Familypark in St. Margarethen ausgedehnt werden.

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16 Tage gegen Gewalt gegen Frauen 

HaltZuMirGewaltGegenFrauenFotoPIDMartinVotavaIn der Bundeshauptstadt Wien startete die Kampagne "16 Tage gegen Gewalt an Frauen" mit dem Hissen der Fahne der Menschenrechtsorganisation "Terre des Femmes" und der White-Ribbon-Fahne am Rathaus am 24. November 2021.

Gewaltkriminalität

Allein in Wien kam es 2020 zu 6.409 angezeigten Delikten im Bereich von Gewalt in der Privatsphäre. PolizistInnen sprachen 2020 insgesamt 3.398 Betretungs- und Annäherungsverbote aus, um gefährdete Personen (meist Frauen) vor möglicher zukünftiger Gewalt zu schützen.

Zuflucht und Schutz

604 Frauen und 575 Kinder fanden 2020 in Wiener Frauenhäuser Zuflucht und Schutz, beim 24.Stunden Frauennotruf der Stadt konnten 2020 insgesamt 12.860 Frauen mit Gewalterfahrung beraten werden.

Morde

Für sechs Frauen gab es 2020 in Wien keine Hilfe mehr, sie wurden ermordet, 2021 wurden in der Bundeshauptstadt bis November 2021 neun Frauen Opfer eines Tötungsdeliktes.

Schutz vor Gewalt!

Frauen-Stadträtign Kathrin Gaál: "Gerade jetzt, in dieser herausfordernden Zeit, ist es besonders wichtig, dass Frauen in Notsituationen rasch Unterstützung bekommen. Wer Schutz vor Gewalt braucht, hat in unserer Stadt ein Auffangnetz. Der 24-Stunden Frauennotruf und der Frauenhaus-Notruf helfen rasch und unbürokratisch – rund um die Uhr!"

Notruf 133

Landespolizeidirektor Gerhard Pürstl: "Die Sicherheit der Menschen in dieser Stadt hat für die Wiener Polizei oberste Priorität. Gewalt, in welcher Form auch immer, wird nicht geduldet. Der Polizei-Notruf (133) ist jederzeit für Personen, die Gewalt wahrnehmen oder von Gewalt betroffen sind, erreichbar."

Notruf-Nummern

Egal wer Gewalt wahrnimmt oder von Gewalt betroffen ist, sollte unbedingt die Polizei verständigen.

  • Polizei-Notruf: 133
  • 24-Stunden Frauennotruf: 01/71719
  • Wiener Frauenhaus-Notruf: 057722

Bewusstseinskampagne "Halt! Zu mir!"

In Wien läuft zu der "16-Tage gegen Gewalt"-Aktion die Bewusstseinskampagne "Halt! Zu mir!" WienerInnen sind mit dieser Kampagne und dem Motto "Hinschauen. Handeln. Helfen" zu Zivilcourage aufgerufen. "Zivilcourage heißt: Wir schauen nicht weg. In Wien schauen wir alle gmeinsam hin und holen Hilfe, wenn jemand Unterstützung braucht", so die Gaàl.

 

 

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