Cybergewalt, Cybermobbing und -stalking: Hilfseinrichtung in Wien


Nachdem es im Interent zu mehr Cybergewaltattacken in Paarbeziehungen kommt, richtete die Stadt Wien eine Stelle ein, um mit IT-Unterstützung den Betroffenen zu helfen und sie zu informieren.

Wiens Frauenstadträtin Kathrin Gaal sagte Ende September 2020 über Cybergewalt: "Wir alle verbringen immer mehr Zeit online. Über technische Möglichkeiten verlagert sich auch Gewalt ins Internet. Cybergewalt ist immer öfter ein Thema. Die Stadt Wien ist für Betroffene da und schafft eine neue Kompetenzstelle. Cybergewalt hat in unserer Stadt keinen Platz." Mehr über

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CybergewaltFotoPIDVotava

Frauenstadträtin Kathrin Gaal (mit Plakat) präsentierte die neue Kompetenzstelle für Cybergewalt.

Im Bild mit Andrea Brem, Geschäftsführerin des Vereins Wiener Frauenhäuser (links), Martina Ludwig-Faymann, Vorsitzende des Vereins Wiener Frauenhäuser (2. von links), Sandra Heissenberger (4.von links), Chief Information Security Officer (CISO) in der Abteilung „Organisation und Sicherheit“ bei der Stadt Wien, Martina K. Steiner, der stellvertretenden Leiterin des 24-Stunden Frauennotrufs der Stadt Wien (2. von rechts) und Elfriede Fröschl, Soziologin und Studienautorin der Studie „Cybergewalt gegen Frauen in Paarbeziehungen“ (rechts).

Fotos (c) :  PID/Votava

 

 

 

Cybergewalt, die den Betroffenen Angst einjagt

Cybermobbing ist das wiederholte, absichtliche und meist öffentliche Beleidigen, Bedrohen oder Bloßstellen einer Person über das Internet, soziale Medien oder das Smartphone.
Bei Cyberstalking wird eine Person via Internet, SMS, E-Mails oder Nachrichten in sozialen Medien über einen lägeren Zeitraum immer wieder verfolgt. „Hass im Netz“ zielt darauf ab, eine bestimmte Person oder eine Gruppe von Personen im Netz, etwa über Hasspostings, abzuwerten.

Oft sind die TäterInnen Ex-PartnerInnen, EhepartnerInnen, Bekannte, Familienmitglieder, KollegInnen oder Fremde.

Misshandelte Frauen

Geschäftsführerin des Vereins Wiener Frauenhäuser und Studienautorin Andrea Brem: " Über das Smartphone und auf sozialen Medien haben gewalttätige Ehemänner noch mehr Möglichkeiten, ihre Frauen zu überwachen, zu demütigen und auch zu bedrohen. Dies ist eine neue Gewaltform gegen misshandelte Frauen, die ihre Situation, oft auch nach einer Trennung, nochmal schwieriger macht."

Paarbeziehungen

Bei ,Hass im Netz‘ muss auch das Thema Cybergewalt in Paarbeziehungen stärker in den Vordergrund rücken“, fügt die Vorsitzende des Vereins Wiener Frauenhäuser Martina Ludwig-Faymann hinzu.

Gewaltandrohung

Studienautorin Elfriede Fröschl die Täter, die Frauen daran hindern, jemanden anzurufen oder E-Mails zu schicken und die Partner, die das Mobiltelefon überwachen und Betroffene zwingen, die Passwörter herzugen: "Der zeitlich und räumlich nahezu unbegrenzte Zugang zur Partnerin ermöglicht es gewaltbereiten Männern, die betroffenen Frauen engmaschig zu überwachen und zu verfolgen, da in aufrechter Beziehung meist Zugangsdaten und Telefonnummern für sie verfügbar sind oder sie deren Herausgabe durch Gewaltandrohung oder -ausübung erzwingen."

Vor Angst gezittert

Laut einer Studie seien mehr jüngere Frauen von Cybergewalt betroffen als ältere. Alle befragten Frauen berichten von Angst, zwei Drittel der Studien-Teilnehmerinnen leiden unter Panikattacken, viele verlieren Sozialkontakte.

"Ich habe am ganzen Körper gezittert. Ich hatte Angst, dass er gleich dasteht, weil er ja wirklich ziemlich viel Zugriff auf meine Daten hatte und wusste, wo ich bin", schildert die betroffene Doris ihre Gefühlszustände.
 

Reale Welt & Cyberraum

"So wie Internetkriminalität  immer mehr zunimmt, beobachten wir auch eine Verschiebung der Gewaltausübung von der realen Welt in den Cyberraum", so Sandra Heissenberger, Chief Information Security Officer (CISO) in der Abteilung „Organisation und Sicherheit“ bei der Stadt Wien.
 
"Die zentrale Eigenschaft der Cybergewalt ist, dass sie orts- und zeitunabhängig ausgeübt werden kann. Deshalb ist es wichtig die bereits sehr professionelle Beratung durch cybertechnische Beratung zu unterstützen, mit dem Ziel, Frauen vor Cybergewalt zu schützen, die Gewaltausübung zu unterbinden und gegebenenfalls Beweise zu sichern, betont  Heissenberger.
 
 
 
 
 

IT-SpezialistInnen & "Kein Platz für Cybermobbing"

"Die IT-SicherheitsspezialistInnen der Stadt Wien arbeiten ab sofort eng mit dem 24-Stunden Frauennotruf und den Wiener Frauenhäusern zusammen. Wichtig ist: Die Stadt Wien hilft Betroffenen von Cybergewalt schnell und unbürokratisch", präsentierte die Frauenstadträtin Kathrin Gaal am 25. September 2020 die neue Kompetenzstelle der Stadt.

24-Stunden Frauennotruf

Die ExpertInnen des „Security Hubs“ WienCERT der Abteilung "Wien Digital" sind ab sofort als Anlaufstelle für den 24-Stunden Frauennotruf und die Wiener Frauenhäuser da. Sie springen dort ein, wo die Beraterinnen an ihre technischen Grenzen stoßen. Da geht es vor allem um jene Fälle von Cybergewalt, bei denen spezialisiertes IT-Wissen notwendig ist.

Nach einer Analyse des Falles wird entschieden, ob es eine technische Lösung gibt, ob der Fall an die Polizei weitergeleitet werden soll, oder ob technische Unterstützung von weiteren SpezialistInnen eingeholt wird.

"Durch die Bündelung der Kompetenzen von Frauenberatungsstellen und IT-ExpertInnen der Stadt Wien wird die Hilfe und Unterstützung für Betroffene deutlich verbessert“, so Martina K. Steiner, stellvertretende Leiterin des 24-Stunden Frauennotrufs der Stadt Wien.

Kein Platz für Cybergewalt

"Moderne digitale Infrastruktur ist ein Wettbewerbsfaktor und Standortvorteil für Wien. Digitalisierung bietet viele Chancen und Weiterentwicklungsmöglichkeiten – birgt aber auch Risiken. Das Phänomen ,Cybergewalt‘ ist eines davon und hat in einer modernen Gesellschaft keinen Platz. Ich freue mich, dass ,Wien Digital‘ und Frauenberatungsstellen zusammen an das Thema herangehen und Betroffene unterstützen" unterstützt der Digitalisierungsstadtrat Peter Hanke.

Frauennotruf 01/71719

Frauenstadträtin über die Hilfestellung, die über den Frauennotruf unter 01/71719 oder die Beratungsstelle der Frauenhäuser 01/5123839 zu bekommen ist: "Wichtig ist: Die Stadt Wien hilft Betroffenen von Cybergewalt schnell und unbürokratisch. Wer von Gewalt betroffen ist, hat in unserer Stadt ein Auffangnetz."

 

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