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Bauern in der Corona-Krise & das rot-weiß-rote Konsumbekenntnis

Durch die Corona-Krise schlitterten auch die Bauern in Österreich, es gibt mehr als 160.000 landwirtschaftliche Betriebe, in den Notstand: Saisonarbeitskräfte bleiben aus und durch die Schließung von Gastronomie- und Tourismusbetrieben sowie durch Lieferprobleme in Exportländer sind Absatzmärkte weggefallen. Josef Moosbrugger, der Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich spricht Mitte April 2020 im Interview mit SCHNAPPEN.AT über die Auswirkungen und mögliche Chancen der Corona-Krise. Mehr über

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Josef Moosbrugger, Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich.

Foto:  LKÖ/APA-Fotoservice/Schedl

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Österreichs Bauern stecken tief in die Corona-Krise

LKOEPraesidentJosefMoosbruggerLKOeAPAFotoserviceSchedlSCHNAPPEN.AT: Lässt sich sagen wie schwer und in welcher Form die Coronakrise die Bauern bisher getroffen hat?

Josef Moosbrugger: Das kommt auf den Sektor an, hier herrschen große Unterschiede. Insgesamt sind jedoch innerhalb weniger Tage wichtige Absatzmärkte in Gastronomie und Tourismus weggebrochen.

Blumen & Pflanzen kaufen

Das hat zu großen Marktverwerfungen geführt, die wir insbesondere bei Milch, Rindfleisch und heimischem Fisch spüren. Doch auch der Garten- und Zierpflanzenbau wäre froh, wenn die Menschen wieder mehr Blumen und Pflanzen kaufen.

Erntehelfer fehlen

Außerdem sind Saisonarbeitskräfte und Erntehelfer weggefallen. Wir sind seit Wochen nahezu Tag und Nacht dahinter, gemeinsam mit der Regierung rasche und effektive Hilfe für unsere Bäuerinnen und Bauern zu organisieren.

 

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"Menschen froh, Bauern zu haben"

LandwirtschaftCoronaKriseFotoPrinzSCHNAPPENatSCHNAPPEN.AT: Wie kann sich die Corona-Krise auf die Landwirtschaft auswirken?

Josef Moosbrugger: Wir spüren - trotz aller negativen Effekte auf Gesundheit und Wirtschaft -, dass die Menschen wieder sehr froh sind, Bäuerinnen und Bauern in Österreich zu haben, die sie mit ausreichend frischen und wohlschmeckenden Lebensmitteln versorgen.

Regionale Ernährungssicherung

Viele begreifen, dass eine regionale Ernährungssicherung Krisenvorsorge ist. Diese Erkenntnis gilt es, dauerhaft in den Köpfen zu verankern. Neben der Nutzung des Abhof-Verkaufs - siehe etwa gutes-vom-bauernhof.at - wäre auch der Handel gefordert, sich als echter Partner für uns zu erweisen.

Mehr Regalfläche für unsere heimischen Produkten wäre wichtig und dass alles, was nicht unseren hohen, österreichischen Standards entspricht, nicht angeboten wird. Das ist mir bzw. uns als bäuerlicher Interessenvertretung ein großes Anliegen.

 

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Leute zur Mithilfe in der Landwirtschaft gesucht

SCHNAPPEN.AT: Sind seitens der Landwirtschaftskammer noch weitere Aktionen geplant?

Josef Moosbrugger: Gemeinsam mit der Regierung - und allen voran Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger - haben wir eine Art “Erste-Hilfe-Paket” geschnürt, um massiv geschädigte, bäuerliche Existenzen zu retten.

Es geht ja nicht nur um 3% der Bevölkerung, sondern um 100%, da wir alle Lebensmittel und vitale ländliche Räume brauchen.

Zu diesem Paket gehören Entschädigungen im Rahmen von Hilfs- und Härtefallfonds, aber auch die Arbeitskräfteplattform dielebensmittelhelfer.at. Dort können sich Leute melden, die für ein paar Wochen eine sinnvolle Beschäftigung suchen und gerne in der Landwirtschaft mithelfen wollen.

 

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Ein "Revival des Regionalen" & das rot-weiß-rote Konsumbekenntnis

BauernTraktorArbeitFotoPrinzSCHNAPPENatSCHNAPPEN.AT:Sehen sie durch die Corona-Krise neue Chancen für die Landwirtschaft?

Josef Moosbrugger: Ja, bei einem breiten Schulterschluss der gesamten Wertschöpfungskette. Wie bereits erwähnt, erleben wir durch Corona eine Art “Revival des Regionalen”. Es bringt uns aber nichts, wenn sich Geschäfte werbewirksam mit österreichischer Qualität schmücken und als Helden feiern lassen, und uns bzw. den Verarbeitern dann beim Preisverhandeln die kalte Schulter zeigen.

Wertschätzung für Landwirte

Wichtig ist am Ende des Tages, dass sich die nun herrschende Wertschätzung für uns Bäuerinnen und Bauern auch in Wertschöpfung niederschlägt, und das dauerhaft.

Rot-weiß-rotes Konsumbekenntnis

Damit die Menschen ein rot-weiß-rotes Konsumbekenntnis abgeben können, ist außerdem eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung, v.a. von Milch, Fleisch und Eiern, entscheidend - in Gemeinschaftsverpflegung und bei Verarbeitungsprodukten.

Auch die öffentliche Beschaffung sollte zu heimischer Qualität greifen. Wer heimische Lebensmitteln kauft, stärkt auch die vor- und nachgelagerten Bereiche und damit unser gesamtes Land. Nur, wenn die Räder gut ineinander greifen, rennt das gesamte Werk.

 

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Angespannte Budgets, aber die Zukunft in unserer Hand

MoosbruggerLKOENOEPraesidentFOTOLKOeAPAFotoserviceSchedlSCHNAPPEN.AT: Werden Bauern im Endeffekt profitieren können?

Josef Moosbrugger: Das wird von verschiedensten Faktoren abhängen. Mit Sicherheit sind aber nach Corona höchst angespannte Budgets zu erwarten.

Flächendeckende, bäuerliche Landwirtschaft

Die Frage wird letztendlich sein, ob Europa und Österreich sich zu einer flächendeckenden, bäuerlichen Landwirtschaft bekennen oder nicht; ob wir selbst die Ernährung unserer Bevölkerung sicherstellen wollen oder uns lieber auf verletzliche Handelsströme aus Übersee verlassen, wo unsichere politische Verhältnisse, Umweltzerstörung und Tierleid herrschen.

"Es liegt in unserer Hand"

Noch liegt es in unserer Hand. Unsere Kinder und Kindeskinder sind darauf angewiesen, dass wir die richtigen Entscheidungen treffen - in der Politik genauso wie beim täglichen Einkauf.

 

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