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Reise in die ungarische Puszta

Die Puszta ist uns Österreichern allen ein Begriff, doch so richtig kennen tun wir sie nicht. Denn unsere Reisen nach Ungarn enden meist im schönen Budapest, ohne zu erahnen, was sich rund 150 Kilometer weiter südöstlich im Dreiländereck Ungarn, Rumänien und Serbien alles an überaus attraktiven und lohnenden Ausflugs- und Urlaubszielen bietet.


SzegedDomFotoWilhelmBoehmAllein die Komitatshauptstadt Szeged, an der Mündung von Theiß und Mieresch gelegen und nach der katastrophalen Überschwemmung 1879 neu erbaut, versetzt den Besucher in Begeisterung. Nicht nur dadurch, dass sie die meisten Sonnenstunden in Ungarn hat, sondern auch wenn dieser Gefallen am Jugendstil findet, den es hier häufig wie sonst nirgends in Ungarn in den unterschiedlichsten Variationen gibt. Und wer glaubt, nur in Salzburg vor dem Dom werde Hochkultur geboten, dem sei gesagt, dass auch der in jeder Hinsicht gewaltige Dom zu Szeged den örtlichen Freiluftspielen im Juli und August als Kulisse gilt. Diese haben sich längst mit Opern, Operetten, Musicals, Theater oder spektakulären Tanzvorführungen international einen Namen gemacht, wobei heuer Porgy und Bess von George Gershwin in original Besetzung aus den USA ein absoluter künstlerischer Höhepunkt war. Im Rahmen dieser Festwochen präsentiert sich auf einer eigenen Meile auch das Hungarikum mit einer Vielzahl von typisch ungarischen Produkten. Als Studentenstadt mit mediterranem Klima hat die 170.000 Einwohner zählende Stadt auch eine ungemein spannende und lebhafte Lokalszene zu bieten, die kulinarisch top ist und vieles an Unterhaltung ermöglicht.

In Szeged lässt es sich in noblen Stätten,wie dem Hotel Art, auch qualitativ beeindruckend und preislich erschwinglich logieren. Nicht zuletzt deshalb ist die Stadt des ungarischen Paprikas,  aus der auch die Pick-Salami stammt, idealer Ausgangspunkt für Tagesausflüge nach dem nur 15 Kilometer entfernten Serbien und Rumänien. Vielmehr aber noch um die umliegende Puszta mit ihren unzähligen Attraktionen kennen zu lernen.

LajosmizseFotoWilhelmBoehmSo sollte man sich in Lajosmizse, nicht die Ùj Tanyacsárda, eine riesige, imponierende Gehöftscharda, samt der spektakulären Pferdeshow entgehen lassen. Welch wunderbare Natur die Puszta zu bieten hat, lässt sich bei Hódmezövásárhely-Mártély an einem toten Arm der Theiß erkennen. In dieser schönen Stadt kann man aber auch die traditionelle ungarischeTöpferei bewundern und im entsprechenden Museum eine Auseinandersetzung
mit der ungarischen Geschichte zur Zeit des totalitären Kommunismus, derviel Todesopfer forderte, sehen. Eine halbe Stunde später ist man in Makó, der Stadt der Zwiebeln. Diese Stadt definiert sich aber nicht nur über die Zwiebelproduktion. Vielmehr ist sie auch Standort eines baulichen Juwels am Gesundheitssektor. Das Hagymatikum, ein in jeder Hinsicht Heilbad der Superlative samt riesigem Freibad und ebensolcher Rutsche, beeindruckt besonders durch eine organische, kathedralartige
Architektur im Zeichen der Zwiebel. Sie ist das letzte Meisterwerk des großen Architekten Imre Makovecz.


FrauImFreilichtmuseumFotoWilhelmBoehmWer die Pustza rund um Szeged erkundet, wird auch in Òpusztaszer am historischen Gedenkpark nicht vorbeikommen. Dort hat der Maler Àpard Feszty in einem überdimensionalen Panoramagemälde die Landnahme der Ungarn und den Einzug ins Karpatenland dargestellt, die begleitend über Lautsprecher geschildert wird. Dieser Park allein gibt einen Tagesausflug her, denn wohin man auch sieht, sind ganze historische Dörfer erhalten, um lebensecht den geschichtlichen ungarischen way of life zu dokumentieren. Nicht weit davon, liegt die ebenfalls vom Jugendstil geprägte Stadt Kecskemét. Mit Kirchen für fünf verschiedene Religionen zeugt sie von einer besonderen historischen Entwicklung und der spirituellen Vielfalt in dieser Region. Während man in Szeged beim Stadtrundgang stundenlang vom Staunen nicht herauskommt, gibt es auch hier im kleineren Rahmen viel zu entdecken. Unter anderem auch das Restaurant Bagatell am Hauptplatz. Dort speist man im lieblichen Ambiente ganz hervorragend und man wird auch daran erinnert, welch hervorragende Qualitätsweine rund um Szeged erzeugt werden.

Beiträge und Bilder der Reise:

Redaktion / Fotos: Wilhelm Böhm